Hartz IV und andere Möglichkeiten Teil 1

Hartz IV und andere Möglichkeiten

Ich verfasse diesen Blog in der Hoffnung, dass dieser Artikel zur Motivation von Existenzgründern beiträgt.

Zudem hoffe ich, dass hier ein interessanter Lesestoff entsteht und ich Euch die vielfältigen Möglichkeiten aufzeigen kann, die das Leben bietet. Die nachfolgenden Schilderungen sind aus der Praxis und nichts für Theoretiker.

Ihr findet hier auch eine gewisse Art von Humor, meinen Humor. Bitte denkt daran, das hier nicht Torsten Sträter schreibt, es sind Aufzeichnungen aus meinem Leben, obwohl Torsten wohl auch seine Freude damit hätte..

Ich wünsche beim Lesen viel Spaß und natürlich Informationen die Euch zu Denkanstöße führen

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Eine wahre Geschichte aus dem 3. viertel meines Lebens   Teil 1

Der Grund

Nach einer Ehe von 18 Jahren und 2 Kindern machte meine damalige Ehefrau zu Ihrem umgeschulten neuen Beruf einen Ausbilderschein. Die Kompromisse waren vorbei, wir trennten uns.

 

Es kam jetzt das 3. Viertel meines Lebens.

 

Ich war zu der Zeit Arbeitssuchend und die Arbeitsagentur machte mir, mit einem Alter von 45 Jahren, keine große Hoffnung eine Anstellung zu finden. Also machte ich Bekanntschaft mit Hartz IV, dem sogenannten ALG 2. Schon alleine diese Bezeichnung, ALG 2, ist nicht vertrauenserweckend, erinnert sie doch an Wermut Flaschen und Schnaps vergraben. Aber ich hatte mit einem Mal Zeit. Die Frau war weg, die Kinder ebenfalls, na gut, das mit der Wohnung hatte ich mir anders vorgestellt. Ja meine Wohnung. Diese bestand nur noch aus einem halben Wohnzimmer und einer halben Küche. Die schönen neuen Geräte waren weg.

 

So kam ich zum ersten Mal mit Ebay in Kontakt, nicht was Sie denken, sondern als Käufer. Ich brauchte preiswerte Möbel. Eine Couch 40,- Euro, einen Couchtisch 30,- Euro, einen Kühlschrank 35,- Euro, u.s.w.. Diese Einkäufe zogen sich auf Grund des permanenten Geldmangels über ein Jahr hin. In der Zwischenzeit war neben der ganzen Zeit auch eine außerordentliche Leere in meiner Wohnung. Es fehlte der „Guten Morgen Gruß“ des zweiten, zu einem „zu Hause“ gehörenden Menschen. Ein Spiegel im Bad kann einem so etwas nicht geben, er erschrickt einen höchstens.

 

Also fragte ich mich, wie macht man das eigentlich in der heutigen Zeit, eine Frau kennen lernen?

 

Innerhalb der 18 Jahre andauernden Ehe brauchst du das ja nicht. Den ehemaligen Bekanntenkreis schloss ich ganz aus. Was bleibt dann noch. Früher war es die Kneipe oder die Disco, da haben alle Kontakt zu einem anderen Menschen gesucht. Aber für die Disco zu alt und für die Kneipe, mmh. Hab ich versucht, war aber nicht meine Welt.

 

Mit Computern kannte ich mich immer gut aus, früher, man was für ein Wort, ja früher hab ich mal Computer zusammen gebaut, konfiguriert, aber konnte ich mir auch eine Frau mit dem PC konfigurieren? Ich habe den Versuch gestartet. Ich meldete mich bei Partnerbörsen an. Eine davon fand ich damals bei Freenet.de kostenlos. Kostenlos, da mußt Du wegen dem Geld (Hartz IV) darauf achten. Diese Partnerbörse war damals auch sehr umfangreich, jedenfalls fand ich eine Menge Frauen, die auch einen Partner suchten.

 

Ich war fasziniert was für unterschiedliche Frauen ich dort kennen gelernt habe. Ich bin dem Neuen gegenüber immer aufgeschlossen gewesen, aber da waren Frauen dabei, dass hätte ich mir nie träumen lassen.

 

Für eine Frau bin ich bis nach Köln gefahren. Die sah auf dem Bild süß aus, machte mit mir eine super Konversation per Chat und ich fand die Frau recht interessant.

In Köln angekommen, musste ich in einem Hochhausblock bis in den 5. Stock. Dort angekommen klingelte ich an der Tür. Ich war aufgeregt, dass erste Treffen, oh mein Gott.

SIE machte die Tür auf, dass süß nehme ich zurück, und bat mich in Ihre Küche. Ich sah Hähnchenbeine an die Wand genagelt, Sie erzählte etwas von Esoterik und bot mir einen Kaffee an.

Borr, dachte ich wo bist Du hier hingeraten.

Völlig geschockt und überrumpelt nahm ich ihren Kaffee an und sie erzählte von Ihrem Bruder, der ihr mal mit dem Schraubendreher in den Hals gestochen hat …......

So schnell hatte ich den Kaffee nie auf und verließ schnellstens diese Wohnung. Auf dem nach Hause Weg, achtete ich auf meinen gesundheitlichen Zustand. Man weiß nie, was noch in so einen esoterischen Kaffee hinein gemixt wird.

Die weiteren Treffen, die ich in dem Chat der Partnerschaftsbörse vereinbart hatte, waren nicht so spektakulär, aber sie waren auch nicht toll.

Bis auf 1 Treffen mit einer Frau, die aus der Stadt kam, deren Stadtname bei bestimmten Fußballfans nicht genannt wird. Mit dieser Frau bin ich heute seit 7 Jahren verheiratet und es fühlt sich an, als hätten wir uns gestern erst kennen gelernt.

 

Also hat es doch, mit dem Konfigurieren, funktioniert.

 

Die EnTscheidung

 

Jetzt hatte ich 2 mal ein „zu Hause“. Einmal bei mir und einmal bei Ihr. So gingen die Wochenenden viel zu schnell vorbei und SIE, damals bei der UNI in der Stadt, na Ihr wisst schon, beschäftigt, wurde ebenfalls arbeitslos. Jetzt hatten wir 2 mal ALG 2 und viel Zeit.

Da wir beide allerdings nicht die geborenen HARTZ IV Empfänger waren, schickten wir viele Bewerbungen an Unternehmen. Die Resonanz waren Einladungen und Absagen mit der Begründung „überqualizifiert“ und Call-Center Einladungen mit 6,50 Euro die Stunde brutto.

So saßen wir beide eines Abends bei einem Glas Wein und unterhielten uns über unsere berufliche Zukunft. Wir stellten fest, dass wir nach den Vorstellungsgesprächen und den erteilten Absagen, noch die Möglichkeit der Selbstständigkeit sahen.

 

Wir hatten eine Gemeinsamkeit, die Gartenarbeit. Wir stellten uns die Frage, was wir wohl daraus machen könnten und kamen zu dem Schluss. Der Garten war unser Hobby. Lass uns unser Hobby zu unserem Beruf machen. Also recherchierten wir in die Richtung Garten und Landschaftsbau.

Man braucht Geld für eine Selbstständigkeit. Als HARTZ IV Empfänger denkt man natürlich zuerst an die Arbeitsagentur, da Banken einen großen Bogen um den Hartz 4 Geruch machen. Also sprachen wir dort vor. Das stellte sich in der Stadt (ohne Namen) schon sehr schwierig da. Dennoch kam es zu einem Termin und wir baten um Auskunft.

Der Sachbearbeiter der uns gegenüber saß, äußerte Unverständnis, aber gab uns den Rat, an einem unentgeldlichen Kurs für Existenzgründer der Arbeitsagentur teilzunehmen. Diesen Kurs nahmen wir beide war.

Dort pünktlich erschienen, hielt ein Angestellter der Agentur einen Vortrag über die Möglichkeiten einer Selbstständigkeit in Verbindung mit der Arbeitsagentur. Dieses Vorhaben würde bezuschusst und der Betreffende hätte Anspruch auf ein zinsloses Darlehn in Höhe von 3000,- Euro.

Nach seinen Ausführungen, sollte ein jeder sein Firmenvorhaben an einer Tafel darstellen und ein kurzes Referat, mit Zahlen, vortragen. Nachdem einige Teilnehmer ihr Referat vorgetragen hatten, wir waren erstaunt wie HARTZ IV Empfänger mit Tausenden und Millionen agierten, kam ich an die Reihe mit meinem Referat. Da wir vorher einen Business Plan vorbereitet hatten, bezog ich mich auf diese Zahlen. Die Ermahnung, doch mit realistischen Zahlen umzugehen, kam postwendend.

Meine Meinung dazu war, wie kann ich mit Tausenden und Millionen umgehen, wenn ich höchstens ein Darlehn von 3000,- Euro zu Verfügung habe.

Auf diesen Kurs hätten wir verzichten können, aber wir hatten ja Zeit.

 

Zu dieser Zeit waren die Startercenter des Landes Nordrhein Westfalen in den Anfängen. Hier sahen wir eine weitere Möglichkeit. Auch dort sprachen wir, in der Stadt ohne Namen, vor. Aber diese Existenzgründer Centren waren zu dieser Zeit noch mit zu wenigen Kompetenzen ausgestattet und konnten uns nicht weiterhelfen.

 

Jetzt sollten wir einen fertigen Business Plan bei der IHK abgeben, dort würde dann ein Darlehn befürwortet oder abgelehnt. Dann wurde uns noch mit auf den Weg gegeben, schon mal ein Gewerbe anzumelden.

 

Bitte liebe Existenzgründer, meldet NIE vorher, bevor alle Genehmigungen vorliegen ein Gewerbe an. So wie Ihr ein Gewerbe anmeldet seid Ihr keine Existenzgründer mehr und alle Ansprüche eines Existenzgründers sind dahin.

 

Wir haben darauf gehört, wir waren unerfahren und hatten somit alle Ansprüche verwirkt. Jetzt kam es noch auf die Reaktion der IHK an. Diese Institution hätte das Ruder noch umstellen können.

Doch da kam der nächste Schlag in den Nacken. Die IHK lehnte ab.

Hatte ich doch in jungen Jahren eine Homepage, seit so vielen Jahren mache ich das schon, erstellt, und es gab einen Neider. Der Neider gab der IHK Informationen wonach diese Homepage unflätige Sachen enthalten sollte und sie sollten auch mal prüfen ob meine Bekannte nicht nur Drahtzieher zur Scheinselbstständigkeit war.

Die Homepage, die ich damals erstellte, enthielt jugendfreie Dr. Sommer Witze, (ich hatte damals schon Humor), jeder kennt diese und mit der Drahtzieherin bin ich heute verheiratet.

Heute lachen wir darüber, wie es vor 13 Jahren aktuell war, hätten wir weinen können.

 

Also Hartz IV weiterbeziehen und das war es, oder Augen zu und durch?

Wir waren für Augen zu und durch!

 

Die Entwicklung

 

Von Hartz IV sparen? Die Frau, die ich da kennen gelernt habe, hat es gemacht und kaufte uns für 400,- Euro einen alten, mit Hagelschlagschäden behafteten Kombi. Von jetzt an waren wir auf Auftragssuche. Zunächst haben wir ein wenig Glück gehabt und durften ein kleines Hotel in Gladbeck renovieren. Hatte zwar nichts mit Garten und Landschaftsbau zu tun, konnten wir aber.

Wir hatten uns auf die Fahne geschrieben, sei flexibel und sei dir für nichts zu schade. Dieses Motto brachte uns, neben unserer erheblichen Motivation, weiter.

Ich habe fast mein ganzes Leben Kundenbetreuung gemacht und dies kam uns jetzt zusätzlich zu Gute, denn ich brachte Aufträge mit nach Hause. Solange das Gewerk in unserer Gewerbeanmeldung stand, haben wir die Arbeiten, sei es was es wolle, ausgeführt. Das Geld, welches wir umsetzten, ist immer wieder in unseren kleinen Betrieb hinein geflossen.

 

An dieser Stelle möchten wir uns bei der Arbeitsagentur in Bottrop bedanken, die uns in dieser Zeit sehr geholfen hat.

 

Wir waren auf einen guten Weg!

 

Werbung

 

Fortan machten wir uns Gedanken zur Werbung. Flyer und Visitenkarten wurden von mir entworfen, gesetzt und ausgedruckt. Die Verteilung nahmen wir an den Wochenenden mit den Kindern der „Drahtzieherin“ selber in die Hand. Fahrzeugwerbung wurde aufgeklebt, es wurden Zeitungsanzeigen im Städtischen Blatt aufgegeben. Den Rest gab die Mundpropaganda her, denn wir machten einen guten Job.

 

1,5 Jahre später bekamen wir unser erstes neues Fahrzeug finanziert. Der alte Kombi lief auch noch ganz passabel, so stellten wir das erste Personal ein und waren aus dem Hartz IV heraus gefallen.

 

Wir hatten uns vergrößert und verdienten wieder selber unser Geld.

 

Fortsetzung folgt …......




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